Sie sind hier: Die Kommentare
30.5.2020

Kommentar: ExpertenFreitag, 01. Mai 2020


Experten allerorten. Erst war das neue Corona-Virus SARS-CoV-2 nicht so schlimm, dann besonders gefährlich. Erst brachte eine Impfung gegen Lungenentzündung keinen Schutz gegen das Virus, dann ließ sich die Kanzlerin mitten in der Pandemie dagegen impfen. Erst halfen Atemschutzmasken überhaupt nicht gegen eine Ansteckung, dann nur zum Schutz der anderen, schließlich wurde das Tragen für alle dringend empfohlen. Selbstgenähte Stofflappen und Kaffeefilter eingeschlossen. Verteidigte der eine Virologe die Regierung, kritisierte der andere medienverliebt irgendwelche Maßnahmen als zu früh oder zu spät oder zu gefährlich. Und was war mit dem Bonner Wissenschaftler Professor Hendrik Streek, der versuchte, durch systematische Untersuchungen vor Ort möglichst schnell Schlüsse aus dem ersten „Hotspot“ in Deutschland zu ziehen? Die anderen Experten fielen über ihn her: vorschnelle Präsentation, mangelhafte Stichprobe, unklare Methodik, unbrauchbares Ergebnis. Notwendige wissenschaftliche Diskussion oder Selbstprofilierung?[mehr]

Kategorie: Kommentar

Kommentar: "It's the economy, stupid!"Mittwoch, 01. April 2020


1992. Wahlkampf in den USA. George H. W. Bush oder Bill Clinton? Für letzteren eigentlich aussichtslos. In Clintons Wahlkampfbüro am schwarzen Brett hing ein Zettel mit zwei einfachen Sätzen. Als ständige Erinnerung für die Wahlkampfhelfer. „Don´t forget Healthcare!“ – „Vergiss das Gesundheitswesen nicht!“. Und „It´s the economy, stupid!“ „Es ist die Wirtschaft, Blödmann!“ Besser übersetzt: „Es ist die Wirtschaft, die zählt!“ Clinton gewann. Das Corona-Virus hat uns voll im Griff. Deshalb müssen wir uns schützen. Mit wochenlanger sozialer Isolation. Die Folgen sind dramatisch. Dramatisch gut hoffentlich im medizinischen Sinne. Dramatisch schlecht im ökonomischen Sinne. Besser – ein Desaster für die Wirtschaft, die Industrie, den Mittelstand, die Selbständigen. Die politischen, finanziellen und sozialen Folgen – kaum auszumalen. „Es ist die Wirtschaft, die zählt!“ Eines nicht sehr fernen Tages wird sie sich melden. Und ihre Forderungen stellen. Und uns hoffentlich nicht überfordern.[mehr]

Kategorie: Kommentar

Kommentar: "Angestrebt" ist nicht "versprochen"Sonntag, 01. März 2020


„Gedacht ist nicht gesagt. Gesagt ist nicht gehört. Gehört ist nicht verstanden. Verstanden ist nicht einverstanden. Einverstanden ist nicht angewandt. Angewandt ist nicht beibehalten.“ Besser kann man das Dilemma missverstandener Kommunikation nicht ausdrücken. Der österreichische Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Konrad Lorenz hat es so treffend formuliert.   Die Reihe lässt sich erweitern. Ein Versandhandelsverbot für rezeptpflichtige Arzneimittel werde „angestrebt“, heißt es im Koalitionsvertrag der Bundesregierung. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will kein Versandhandelsverbot. Er macht daraus ein „angestrebt ist nicht versprochen“.   Wieder ein Missverständnis in der Kommunikation zwischen Politik und Wähler? Oder Alleingang eines Ministers?[mehr]

Kategorie: Kommentar

Kommentar: Sale, Sale, Sale?Samstag, 01. Februar 2020


Kein Schaufensterbummel ohne „Sale, Sale, Sale“. Kein Katalog ohne „Sale, Sale, Sale“. Kein Stöbern im Internet ohne „Sale, Sale, Sale“. Rabatte, Rabatte, Rabatte. Billig, billig, billig. Eine ganze Nation ist auf dem Weg zum Ramsch. Und sie ist begeistert. Begeistert sind auch die Krankenkassen. Sie haben den Pharmafir­men ungeahnte Rabatte abgeknöpft. Sie konnten das, weil sie Monopolisten waren. Die einzigen Kunden. Wo sonst hätten die Hersteller ihre Tabletten verkaufen können? Jetzt sitzen die Kassen auf einem Geldsack von 30 Milliarden Euro. Den eigentlichen Preis zahlen andere. Den zahlt die Bevölkerung. Mit der Unsicherheit in der Arzneimittelversorgung. Mit der Sorge vor Lieferausfällen lebenswichtiger Medikamente. Mit der Gesundheit. Schluss mit Sale.[mehr]

Kategorie: Kommentar

Kommentar: Fridays for future. Sundays for Amazon.Mittwoch, 01. Januar 2020


Die Erde ist in einem schlechten Zustand. Die Folgen des Klimawandels kann jeder sehen. Abbrechende Eisberge, schmelzende Gletscher, steigende Meeresspiegel, austrocknende Seen, Hitzeperioden und Wirbelstürme, wo früher gemäßigtes Klima herrschte. Die Weltgemeinschaft tut zu wenig dagegen. Das meint nicht nur Greta. Die Jugendlichen und Kinder gehen auf die Straße. Statt in die Schule. Fridays for Future. Die Freitage für die Zukunft. Die Erwachsenen machen mit bei den Demonstrationen. Recht haben sie. Sonntags sitzt man dann am PC. Schaut sich in den buntbebilderten Portalen die schönen Konsumartikel an. Und bestellt. Hier etwas und da etwas. Der Versandhandel boomt. Wer denkt da schon an Millionen Tonnen Kohlendioxid, Stickoxide, Feinstaub, Mikroplastik? An Autobahnenstaus, hohe Rücksendungsquoten und die Vernichtung guter Kleidung? Oder an die Entsorgung von hunderten Millionen nur einmal benutzter Pappkartons?[mehr]

Kategorie: Kommentar

Kommentar: Wieso Innovationskraft?Sonntag, 01. Dezember 2019


Es gibt elf Allgemeine Ortskrankenkassen in Deutschland. Die sind den Gesundheitsministern der jeweiligen Bundesländer unterstellt. Die Gesundheitsminister passen auf, dass die AOK sich im Sinne des Landes verhält. Die aber wirft in einem Zeitungsartikel den deutschen Apothekern vor, sie hätten Ängste vor der „Innovationskraft des ausländischen Wettbewerbers“. Innovationskraft? Das hört sich bewundernd an. Mit dem „ausländischen Wettbewerber“ meint die AOK den Arzneiversandkonzern DocMorris. Der zieht mit Rabatten und Boni die Arzneimittelumsätze über die Grenze. Das schwächt die akutversorgenden deutschen Vor-Ort-Apotheken. Und ist alles andere als innovativ. Den Landesgesundheitsministern kann die Bewunderung der AOK für den Arzneimittelversand nicht schmecken. Schließlich tragen sie auch die Verantwortung für eine ordnungsgemäße Akutversorgung der Bevölkerung durch die Vor-Ort-Apotheken ihres Bundeslandes. [mehr]

Kategorie: Kommentar

Kommentar: Zurück zu den WurzelnFreitag, 01. November 2019


Krankenkassen sind für die Patienten da. Die sollen sicher sein, dass sie im Krankheitsfall die bestmögliche Behandlung erhalten. Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein. Und sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten. So steht es im Gesetz. Manchmal entstehen durch falsche Gesetze Verwerfungen. Wie durch das System der Rabattverträge zwischen Krankenkassen und Herstellern. Die haben zu Billigstpreisen für Arzneimittel geführt. Und zu Verlagerungen von Produktionsstätten nach Fernost. Und damit zu einer gefährlichen Abhängigkeit von wenigen weit entfernten Produzenten. Lieferengpässe, auch für lebenswichtige Arzneimittel, sind die Folge. Erforderlich ist sofortiges Handeln. Aber die Kassen wehren sich gegen Maßnahmen, das System der Rabattverträge zu lockern. Sie sprechen sich auch gegen den Versuch aus, die Produktion von wichtigen Wirkstoffen nach Europa zurückzuholen. Sie verteidigen ihre Finanzreserven von 30 Milliarden Euro. Erfüllen sie damit ihren Versorgungsauftrag für die Patienten? Zurück zu den Wurzeln![mehr]

Kategorie: Kommentar