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21.1.2020

Kommentar: Fridays for future. Sundays for Amazon.Mittwoch, 01. Januar 2020


Die Erde ist in einem schlechten Zustand. Die Folgen des Klimawandels kann jeder sehen. Abbrechende Eisberge, schmelzende Gletscher, steigende Meeresspiegel, austrocknende Seen, Hitzeperioden und Wirbelstürme, wo früher gemäßigtes Klima herrschte. Die Weltgemeinschaft tut zu wenig dagegen. Das meint nicht nur Greta. Die Jugendlichen und Kinder gehen auf die Straße. Statt in die Schule. Fridays for Future. Die Freitage für die Zukunft. Die Erwachsenen machen mit bei den Demonstrationen. Recht haben sie. Sonntags sitzt man dann am PC. Schaut sich in den buntbebilderten Portalen die schönen Konsumartikel an. Und bestellt. Hier etwas und da etwas. Der Versandhandel boomt. Wer denkt da schon an Millionen Tonnen Kohlendioxid, Stickoxide, Feinstaub, Mikroplastik? An Autobahnenstaus, hohe Rücksendungsquoten und die Vernichtung guter Kleidung? Oder an die Entsorgung von hunderten Millionen nur einmal benutzter Pappkartons?[mehr]

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Kommentar: Wieso Innovationskraft?Sonntag, 01. Dezember 2019


Es gibt elf Allgemeine Ortskrankenkassen in Deutschland. Die sind den Gesundheitsministern der jeweiligen Bundesländer unterstellt. Die Gesundheitsminister passen auf, dass die AOK sich im Sinne des Landes verhält. Die aber wirft in einem Zeitungsartikel den deutschen Apothekern vor, sie hätten Ängste vor der „Innovationskraft des ausländischen Wettbewerbers“. Innovationskraft? Das hört sich bewundernd an. Mit dem „ausländischen Wettbewerber“ meint die AOK den Arzneiversandkonzern DocMorris. Der zieht mit Rabatten und Boni die Arzneimittelumsätze über die Grenze. Das schwächt die akutversorgenden deutschen Vor-Ort-Apotheken. Und ist alles andere als innovativ. Den Landesgesundheitsministern kann die Bewunderung der AOK für den Arzneimittelversand nicht schmecken. Schließlich tragen sie auch die Verantwortung für eine ordnungsgemäße Akutversorgung der Bevölkerung durch die Vor-Ort-Apotheken ihres Bundeslandes. [mehr]

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Kommentar: Zurück zu den WurzelnFreitag, 01. November 2019


Krankenkassen sind für die Patienten da. Die sollen sicher sein, dass sie im Krankheitsfall die bestmögliche Behandlung erhalten. Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein. Und sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten. So steht es im Gesetz. Manchmal entstehen durch falsche Gesetze Verwerfungen. Wie durch das System der Rabattverträge zwischen Krankenkassen und Herstellern. Die haben zu Billigstpreisen für Arzneimittel geführt. Und zu Verlagerungen von Produktionsstätten nach Fernost. Und damit zu einer gefährlichen Abhängigkeit von wenigen weit entfernten Produzenten. Lieferengpässe, auch für lebenswichtige Arzneimittel, sind die Folge. Erforderlich ist sofortiges Handeln. Aber die Kassen wehren sich gegen Maßnahmen, das System der Rabattverträge zu lockern. Sie sprechen sich auch gegen den Versuch aus, die Produktion von wichtigen Wirkstoffen nach Europa zurückzuholen. Sie verteidigen ihre Finanzreserven von 30 Milliarden Euro. Erfüllen sie damit ihren Versorgungsauftrag für die Patienten? Zurück zu den Wurzeln![mehr]

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Kommentar: Zeit, die Sache in Ordnung zu bringenDienstag, 01. Oktober 2019


Das bestens über die Politik der Europäischen Union informierte „Centrum für Europäische Politik“ (cep) in Freiburg hat das „Apothekenstärkungsgesetz“ von Bundesgesundheits­minister Jens Spahn europarechtlich geprüft. Die EU-Kommission werde es nicht akzeptieren, urteilten die Wissenschaftler. Es verstoße weiterhin gegen die Warenverkehrsfreiheit. Spahn ist nun gewarnt. In Brüssel scheitern ist nicht imagefördernd. Dann doch lieber Plan B. Das wäre ein Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln. Denn die Gleichpreisigkeit der Medikamente in Deutschland muss unbedingt erhalten bleiben. Der Gesundheitsausschuss des Bundesrates hat das schlüssig in seiner Prüfung des Gesetzesvorhabens dargelegt. Einen Plan C gibt es nicht.[mehr]

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Kommentar: Pest und CholeraSonntag, 01. September 2019


Es war dem Westdeutschen Rundfunk einen ausführlichen Beitrag im Fernsehen wert. Und die Tageszeitung Bild brachte in der Regionalausgabe Köln fast eine ganze Seite. Was so besonders war? Nach mehr als vierhundert Jahren musste die Karls-Apotheke im „Haus zum Wilden Mann“ am historischen Marktplatz der alten Kaiserstadt Aachen für immer schließen.  „Über vierhundert Jahre Kriege, Stadtbrand, Pest, Cholera und zwanzig gefühlte Gesundheitsreformen hat die Karls-Apotheke überstanden. Es tut mir weh, dass ich jetzt aufhören muss“, sagte Apothekerin Gabriele Neumann der Bildzeitung. Aber ein Umsatzrückgang von 20 % aufgrund der Konkurrenz des Arzneimittelversandhandels sei zu viel. „Wieder stirbt ein Stück Tradition“, überschrieb die Bild ihren Bericht. Tradition auch, aber schlimmer – wieder stirbt ein weiteres Stück Versorgungssicherheit.[mehr]

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Kommentar: Die Verwaltung des MangelsDonnerstag, 01. August 2019


Kosten dämpfen, billig einkaufen, den Markt auspressen – die Krankenkassen haben viel gelernt, seit man ihnen erlaubt hat, Ausschreibungen für Arzneimittel zu veranstalten. Eine Fehlentscheidung, wie sich heute zeigt. Denn die gebeutelten Hersteller verlegten ihre Produktion nach Indien und China, weitab von Einfluss und permanenter Qualitätskontrolle. Die Folgen dieser Fehlentscheidung tragen wir alle. In ganz Europa häufen sich die Engpässe und Lieferausfälle selbst lebenswichtiger Arzneimittel. Da musste die Europäische Union aktiv werden. Jetzt hat sie einen Leitfaden erarbeitet, wie sich Arzneimittelhersteller und Behörden zu verhalten haben, wenn Lieferausfälle drohen. Das Grundproblem – der Abzug der Produktion aus Europa – ist nicht mehr lösbar. Gegen globalisierte Märkte hilft leider nur noch die Verwaltung des Mangels.[mehr]

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Kommentar: Die Richter und der MacherMontag, 01. Juli 2019


Der Bundesgerichtshof hat vor kurzem ein bemerkenswertes Urteil gefällt. Danach ist es den deutschen Apotheken vor Ort zukünftig verboten, dem Patienten beim Bezug eines rezept­pflichtigen Arzneimittels auch nur ein winzig kleines Werbegeschenk im Wert von ein paar Cent zu überreichen. Die Begründung der Bundesrichter: Auch wenn es nur um kleine Beträge gehe, Geschenke seien nach dem Gesetz verboten. So soll ein ruinöser Preiswettbewerb unter den Apotheken verhindert und eine flächendeckende und gleichmäßige Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln sichergestellt werden. Eigentlich wäre das die Aufgabe von Gesundheitsminister Jens Spahn, dem Macher. Aber der Macher macht nichts dergleichen. Im Gegenteil. Seine Weigerung, den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln zu verbieten, gefährdet die flächendeckende Versorgung. Alle 38 Stunden schließt eine Apotheke. Für immer.[mehr]

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