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8.4.2020

Kommentar: "It's the economy, stupid!"Mittwoch, 01. April 2020


1992. Wahlkampf in den USA. George H. W. Bush oder Bill Clinton? Für letzteren eigentlich aussichtslos. In Clintons Wahlkampfbüro am schwarzen Brett hing ein Zettel mit zwei einfachen Sätzen. Als ständige Erinnerung für die Wahlkampfhelfer. „Don´t forget Healthcare!“ – „Vergiss das Gesundheitswesen nicht!“. Und „It´s the economy, stupid!“ „Es ist die Wirtschaft, Blödmann!“ Besser übersetzt: „Es ist die Wirtschaft, die zählt!“ Clinton gewann. Das Corona-Virus hat uns voll im Griff. Deshalb müssen wir uns schützen. Mit wochenlanger sozialer Isolation. Die Folgen sind dramatisch. Dramatisch gut hoffentlich im medizinischen Sinne. Dramatisch schlecht im ökonomischen Sinne. Besser – ein Desaster für die Wirtschaft, die Industrie, den Mittelstand, die Selbständigen. Die politischen, finanziellen und sozialen Folgen – kaum auszumalen. „Es ist die Wirtschaft, die zählt!“ Eines nicht sehr fernen Tages wird sie sich melden. Und ihre Forderungen stellen. Und uns hoffentlich nicht überfordern.[mehr]

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Kommentar: "Angestrebt" ist nicht "versprochen"Sonntag, 01. März 2020


„Gedacht ist nicht gesagt. Gesagt ist nicht gehört. Gehört ist nicht verstanden. Verstanden ist nicht einverstanden. Einverstanden ist nicht angewandt. Angewandt ist nicht beibehalten.“ Besser kann man das Dilemma missverstandener Kommunikation nicht ausdrücken. Der österreichische Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Konrad Lorenz hat es so treffend formuliert.   Die Reihe lässt sich erweitern. Ein Versandhandelsverbot für rezeptpflichtige Arzneimittel werde „angestrebt“, heißt es im Koalitionsvertrag der Bundesregierung. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will kein Versandhandelsverbot. Er macht daraus ein „angestrebt ist nicht versprochen“.   Wieder ein Missverständnis in der Kommunikation zwischen Politik und Wähler? Oder Alleingang eines Ministers?[mehr]

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Kommentar: Sale, Sale, Sale?Samstag, 01. Februar 2020


Kein Schaufensterbummel ohne „Sale, Sale, Sale“. Kein Katalog ohne „Sale, Sale, Sale“. Kein Stöbern im Internet ohne „Sale, Sale, Sale“. Rabatte, Rabatte, Rabatte. Billig, billig, billig. Eine ganze Nation ist auf dem Weg zum Ramsch. Und sie ist begeistert. Begeistert sind auch die Krankenkassen. Sie haben den Pharmafir­men ungeahnte Rabatte abgeknöpft. Sie konnten das, weil sie Monopolisten waren. Die einzigen Kunden. Wo sonst hätten die Hersteller ihre Tabletten verkaufen können? Jetzt sitzen die Kassen auf einem Geldsack von 30 Milliarden Euro. Den eigentlichen Preis zahlen andere. Den zahlt die Bevölkerung. Mit der Unsicherheit in der Arzneimittelversorgung. Mit der Sorge vor Lieferausfällen lebenswichtiger Medikamente. Mit der Gesundheit. Schluss mit Sale.[mehr]

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Kommentar: Fridays for future. Sundays for Amazon.Mittwoch, 01. Januar 2020


Die Erde ist in einem schlechten Zustand. Die Folgen des Klimawandels kann jeder sehen. Abbrechende Eisberge, schmelzende Gletscher, steigende Meeresspiegel, austrocknende Seen, Hitzeperioden und Wirbelstürme, wo früher gemäßigtes Klima herrschte. Die Weltgemeinschaft tut zu wenig dagegen. Das meint nicht nur Greta. Die Jugendlichen und Kinder gehen auf die Straße. Statt in die Schule. Fridays for Future. Die Freitage für die Zukunft. Die Erwachsenen machen mit bei den Demonstrationen. Recht haben sie. Sonntags sitzt man dann am PC. Schaut sich in den buntbebilderten Portalen die schönen Konsumartikel an. Und bestellt. Hier etwas und da etwas. Der Versandhandel boomt. Wer denkt da schon an Millionen Tonnen Kohlendioxid, Stickoxide, Feinstaub, Mikroplastik? An Autobahnenstaus, hohe Rücksendungsquoten und die Vernichtung guter Kleidung? Oder an die Entsorgung von hunderten Millionen nur einmal benutzter Pappkartons?[mehr]

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Kommentar: Wieso Innovationskraft?Sonntag, 01. Dezember 2019


Es gibt elf Allgemeine Ortskrankenkassen in Deutschland. Die sind den Gesundheitsministern der jeweiligen Bundesländer unterstellt. Die Gesundheitsminister passen auf, dass die AOK sich im Sinne des Landes verhält. Die aber wirft in einem Zeitungsartikel den deutschen Apothekern vor, sie hätten Ängste vor der „Innovationskraft des ausländischen Wettbewerbers“. Innovationskraft? Das hört sich bewundernd an. Mit dem „ausländischen Wettbewerber“ meint die AOK den Arzneiversandkonzern DocMorris. Der zieht mit Rabatten und Boni die Arzneimittelumsätze über die Grenze. Das schwächt die akutversorgenden deutschen Vor-Ort-Apotheken. Und ist alles andere als innovativ. Den Landesgesundheitsministern kann die Bewunderung der AOK für den Arzneimittelversand nicht schmecken. Schließlich tragen sie auch die Verantwortung für eine ordnungsgemäße Akutversorgung der Bevölkerung durch die Vor-Ort-Apotheken ihres Bundeslandes. [mehr]

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Kommentar: Zurück zu den WurzelnFreitag, 01. November 2019


Krankenkassen sind für die Patienten da. Die sollen sicher sein, dass sie im Krankheitsfall die bestmögliche Behandlung erhalten. Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein. Und sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten. So steht es im Gesetz. Manchmal entstehen durch falsche Gesetze Verwerfungen. Wie durch das System der Rabattverträge zwischen Krankenkassen und Herstellern. Die haben zu Billigstpreisen für Arzneimittel geführt. Und zu Verlagerungen von Produktionsstätten nach Fernost. Und damit zu einer gefährlichen Abhängigkeit von wenigen weit entfernten Produzenten. Lieferengpässe, auch für lebenswichtige Arzneimittel, sind die Folge. Erforderlich ist sofortiges Handeln. Aber die Kassen wehren sich gegen Maßnahmen, das System der Rabattverträge zu lockern. Sie sprechen sich auch gegen den Versuch aus, die Produktion von wichtigen Wirkstoffen nach Europa zurückzuholen. Sie verteidigen ihre Finanzreserven von 30 Milliarden Euro. Erfüllen sie damit ihren Versorgungsauftrag für die Patienten? Zurück zu den Wurzeln![mehr]

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Kommentar: Zeit, die Sache in Ordnung zu bringenDienstag, 01. Oktober 2019


Das bestens über die Politik der Europäischen Union informierte „Centrum für Europäische Politik“ (cep) in Freiburg hat das „Apothekenstärkungsgesetz“ von Bundesgesundheits­minister Jens Spahn europarechtlich geprüft. Die EU-Kommission werde es nicht akzeptieren, urteilten die Wissenschaftler. Es verstoße weiterhin gegen die Warenverkehrsfreiheit. Spahn ist nun gewarnt. In Brüssel scheitern ist nicht imagefördernd. Dann doch lieber Plan B. Das wäre ein Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln. Denn die Gleichpreisigkeit der Medikamente in Deutschland muss unbedingt erhalten bleiben. Der Gesundheitsausschuss des Bundesrates hat das schlüssig in seiner Prüfung des Gesetzesvorhabens dargelegt. Einen Plan C gibt es nicht.[mehr]

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