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23.10.2018

Kommentar: Auf einem Auge blindMontag, 01. Oktober 2018


Gewaltbereite Fußballhooligans stürzen sich auf Ordnungskräfte. Grüne Baumbesetzer im Hambacher RWE-Forst prügeln sich mit der Polizei. Neugierige auf der Autobahn behindern und beschimpfen Rettungskräfte. Schaulustige beim Häuserbrand pöbeln gegen Feuerwehrleute. Angehörige verbrecherischer Clans bedrohen Polizisten auf der Wache. Die ganze Republik empört sich über diese Missachtung von Recht und Gesetz. Ganz vorn die Politik. Arzneimittelversandapotheken verstoßen permanent gegen Recht und Gesetz. Wenn auch nicht so spektakulär. Niemand empört sich. Schon gar nicht die Politik. Auf einem Auge blind?[mehr]

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Kommentar: Außer KontrolleSamstag, 01. September 2018


Im Valsartan-Skandal war die Betroffenheit so groß, dass selbst das Bundesgesundheitsministerium wochenlang schwieg. Was sollte man auch tun? Nach China reisen? Fest steht, dass alle Kontrollen versagt haben. Hersteller, Pharmakonzerne, Behörden, Institutionen – sie alle sind mitschuldig an dem Desaster. Mitschuldig ist auch die Gesundheitspolitik der letzten zwanzig Jahre. Vor lauter Liberalisierung von Märkten zum Zwecke der Kostensenkung im Gesundheitswesen hat man die Qualität, die Versorgungssicherheit und damit letztlich den Patienten aus den Augen verloren. Jetzt sollen es stärkere Kontrollen richten. Doch internationale Märkte lassen sich nicht kontrollieren. Notwendig wäre ein Paradigmenwechsel in der nationalen Gesundheitspolitik. Mehr Versorgungssicherheit, mehr Qualität, mehr Kosten. [mehr]

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Kommentar: „Kein Irrtum ist so groß, dass er nicht seine Zuhörer hat“ (Martin Luther)Mittwoch, 01. August 2018


Es gibt Irrtümer, die halten sich über Jahrhunderte. Dass die Erde eine Scheibe ist. Dass sich die Sonne um die Erde dreht. Dass Spinat gesund ist, weil er viel Eisen enthält. Dabei handelt es sich nur um einen Kommafehler. Eine Stelle zu weit rechts. Das soll angeblich einem Lebensmittelanalytiker Ende des neunzehnten Jahrhunderts passiert sein. Auch im Gesundheitswesen gibt es Irrtümer, die nicht auszurotten sind. Aber liebevoll gepflegt werden. Dass die Schließung von kleineren Krankenhäusern hin zu Großeinheiten die Kosten im Gesundheitswesen senkt. Dass weniger Arztpraxen Einsparungen bringen, obwohl die Zahl der Kranken nicht sinkt. Dass die Schließung einer Vor-Ort-Apotheke alle 38 Stunden für die Sicherheit der Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln keine Rolle spielt. Aber so ist das mit den hartnäckigen Irrtümern. Es dauert manchmal lange, bis die Wahrheit sich durchsetzt. Manchmal auch zu lange.[mehr]

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Kommentar: Alle reden vom Kerngeschäft – wir nicht.Sonntag, 01. Juli 2018


Was ist das Kerngeschäft der Gesetzlichen Krankenkassen? „Die Krankenversicherung als Solidargemeinschaft hat die Aufgabe, die Gesundheit der Versicherten zu erhalten, wiederherzustellen oder ihren Gesundheitszustand zu verbessern.“ Das ist das Kerngeschäft der Krankenkassen. Festgeschrieben im ersten Satz in §1 im Fünften Buch Sozialgesetzbuch (SGB V). Wer nun meint, die Kassen würden öffentlich von ihrem Kerngeschäft reden, Anstrengungen zeigen, es zu verbessern, es auszubauen, es attraktiv zu machen, muss sich enttäuscht fühlen. Krankenkassen reden vom Arzneimittelversandhandel, von Rabattverträgen, von zu vielen Krankenhäusern, zu vielen Ärzten, zu vielen Apotheken. Nicht allerdings von zu vielen Krankenkassen. Und nicht von ihrem Kerngeschäft.[mehr]

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Kommentar: Grenzen der MachtFreitag, 01. Juni 2018


Von 2001 bis 2009 war Ulla Schmidt (SPD) Bundesgesundheitsministerin. Ihre „Gesundheitsreformen“ machten aus patientenorientierten gesetzlichen Krankenkassen profitorientierte „Gesundheitskassen“. Seitdem testen sie permanent ihre Grenzen. Von der Sozialgerichtsbarkeit verhätschelt, mussten sie Rezepte der Apotheken wegen kleiner Formfehler nicht bezahlen. Sie durften Auflagen des Bundesversicherungsamtes unterlaufen und Gesetze ignorieren, die Inkontinenzpatienten besser versorgt hätten. Sie brachten Ärzte widerrechtlich dazu, Kranke auf dem Papier kränker zu machen, und legten hunderttausende Karteileichen an. Beides, um sich höhere Zuwendungen aus dem Gesundheitsfonds zu erschleichen. Wohlgemerkt – nicht alle Kassen. Aber alles ohne Folgen für die Beteiligten. Gut, dass Gesundheitsminister Jens Spahn jetzt gegen solchen Missbrauch vorgeht. Die Grenzen der Macht sind Recht und Gesetz. Auch für Krankenkassen.[mehr]

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Kommentar: Nicht sehen wollen, was zu sehen istDienstag, 01. Mai 2018


„Vom französischen Philosophen Alain Finkielkraut ist eine gute Definition von‚ 'politischer Korrektheit' überliefert: Nicht sehen wollen, was zu sehen ist.“ Sigmar Gabriel, Ex-Vizekanzler, Ex-Minister, Ex-Vorsitzender der SPD, beginnt mit diesem Satz seinen Gastkommentar in der Tageszeitung „Berliner Tagesspiegel“ vom 9. April 2018. Nicht sehen wollen, was zu sehen ist? Das scheint nicht nur eine treffliche Definition von „politischer Korrektheit“ zu sein. Es handelt sich auch um eine weit verbreitete Angewohnheit unter Politikern. Wie anders ist es sonst zu erklären, dass der verlustträchtige Angriff kapitalstarker ausländischer Versandhandelskonzerne auf die bewährte deutsche Apothekenstruktur zu keinem schnellen Handeln seitens der Politik führt?[mehr]

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Kommentar: Konflikt?Sonntag, 01. April 2018


Als Bundesgesundheitsminister hat Jens Spahn (CDU) die Aufgabe, die im Koalitionsvertrag festgelegten Punkte im Gesundheitswesen gewissenhaft abzuarbeiten. Dazu gehört auch ein Gesetz, das den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln verbietet. Durch Recherchen des Magazins FOCUS wurde 2012 bekannt, dass Spahn im Jahre 2006 eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts zusammen mit seinem Büroleiter und dem damaligen Pharmalobbyisten Max Müller gegründet hat. Vier Jahre lang, bis zum August 2010, war Spahn Gesellschafter dieser GbR. Die kontrollierte eine Beratungsagentur. Max Müller hat inzwischen Karriere gemacht. Seit Februar 2013  ist er Vorstand bei DocMorris, Europas größtem Arzneimittelversandhandelskonzern. Der würde von einem Versandhandelsverbot natürlich getroffen. Ein vorhersehbarer Konflikt. Wie wird Spahn sich entscheiden?[mehr]

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